03.10.26

Hebel auf den Kopf gestellt – Neue Perspektiven des Namensgebers aufgezeigt

Wer jetzt kein Hebel-Bewunderer ist, dem ist nicht zu helfen. Bei dem Festabend anlässlich des 200. Todestages von Johann Peter Hebel präsentierten Schüler des Hebel-Gymnasiums die vielen Facetten des Namensgeber ihrer Schule. Das Leitmotiv des Abends war „Hebel auf den Kopf gestellt“ – und jeder Besucher konnte bei dieser Feier neue Seiten und unbekannte Perspektiven des vielseitigen Schriftstellers kennenlernen.

Johann Peter Hebel, 1760 in Basel geboren, aufgewachsen im badischen Wiesental, ist bekannt durch seine Kalendergeschichten. Aber er war auch Pfarrer, Pädagoge und Botaniker! Ein fiktives Interview brachte dem Publikum sein bewegtes Leben näher: Er hatte mit Rückschlägen durch den frühen Tod seiner Eltern sowie mit Armut zu kämpfen, die sogar verhinderte, seine Geliebte zu heiraten. Dank finanzieller Unterstützung von Förderern konnte er studieren und seine vielseitigen Interessen verfolgen. 

Der Musik-Leistungskurs unter der Leitung von Wolfram Sauer trat mit drei Liedern auf, bei zwei Liedern stammen die Texte von Hebel. Ein Liedtext ist ein alemannisches Gedicht von Hebel; die Vertonung für einen Männerchor hatte Musiklehrer Sauer auf die Stimmen seiner Schüler umgeschrieben.

Die Fachschaft der bildenden Kunst setzte sich kreativ mit dem Hebel-Porträt auseinander und übertrug die Gesichtszüge in moderne – sehr überraschende – Materialien. Da blinzelte Hebel durch Magnetbuchstaben, Buntstifte, Papiertüten, ja sogar durch Teebeutel hervor. Seine Kalendergeschichten haben talentierte Schüler durch Zeichnungen im Manga-Stil in moderne Comics übertragen.

Zitate aus Hebels Predigten stellte der Religion-Leistungskurs unter der Leitung von Henning Hupe neu zusammen, sodass eine aktuelle Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn des Mensch-Seins entstand. Die Schüler sprachen die Zitate im Wechsel von den Balkonen der Aula, man glaubte einen modernen Essay über die Kraft - und über die Beschränktheit - menschlichen Denkens und Wissens zu hören. Ein Herbarium und ein Baumlehrpfad zeigte den Botaniker Hebel.

Highlight waren auch die literarischen Beiträge aus der Literatur-AG. Malin Rössler und Rochelle Alberti hatten eine Modernisierung zu Hebels Kalendergeschichte „Unverhofftes Wiedersehen“ im Poetry-Slam-Stil vorgetragen: Sie kontrastieren die lebenslange Treue in Hebels Geschichte mit einer virtuellen KI-Person, die ebenfalls treu ist, sowie mit der Tatsache, dass die KI nicht vergisst, was auch ein Problem werden kann. Magdalena Molnar beeindruckte mit ihrem Poetry-Slam-Text, der das Leben Hebel aus der Perspektive seiner letzten Übernachtung in Schwetzingen in Poesie übersetzt.

Die Maker-Space-AG bot unter anderem Tassen mit witzigem Hebel-Konterfei an – kurz: Alle Altersklassen waren beteiligt und es entstand ein unterhaltsamer sowie informativer Einblick in die vielen Talente Hebels. Der Abend stand unter der Gesamtleitung von Wiebke Eschenhagen und Sabine Grimm. Selten wurde an einer Schule dem Namensgeber in so kreativer Form auf hohem Niveau gedankt!

Birgit Schillinger

Ein besonderer Hebel-Abend: Selten wurde an einer Schule dem Namensgeber in so kreativer Form auf hohem Niveau gedankt!
Ein besonderer Hebel-Abend: Selten wurde an einer Schule dem Namensgeber in so kreativer Form auf hohem Niveau gedankt!
Von den Balkonen herab sprachen Schüler Zitate aus Hebels Predigten.
Von den Balkonen herab sprachen Schüler Zitate aus Hebels Predigten.